Das Haus Haub baute die Tengelmann-Gruppe zu einem bedeutenden Weltverkäufer auf. Heute ist es Aas für die Konkurrenz. Hier ist, wie das alles zusammenbrach.

Am 7. Oktober 2014 saß der Tengelmann-Chef in einer großen, holzgetäfelten Halle in der Firmenzentrale vor den Toren Kölns. Dick gepolsterte Stühle, schwer hängende Kronleuchter, historische Schwarz-Weiß-Schriftzüge – wer sich in diesem Raum aufhielt, atmete die 150-jährige Geschichte, die Tradition des Familienunternehmens. Und hier verriet Karl-Erivan Haub, dass er das Erbe seines Vaters, die Einzelhandelskette Kaiser’s Tengelmann, an Edeka verkauft hat – einen der größten Konkurrenten und Deutschlands größten Lebensmittelfilialisten.

Hier geht es nicht um einen kleinen Laden, der von Starbucks verdrängt wird. Die Haubs gehören zu den reichsten Haushalten der Welt. Es wird ihnen gut gehen. Aber Karl-Erivan Haub sagte damals: „Es ist ein bisschen wie bei einer Beerdigung“.

Er konnte es damals nicht verstehen, aber die Situation war eher eine unheilvolle medizinische Diagnose, die das Bundeskartellamt schnell als krankmachend für den deutschen Markt erkannte und sich bemühte, sie einzubeziehen, sehr zum großen Missfallen von Karl-Erivan Haub, der den Rewe-Chef Alain Caparros angriff und den Wirtschaftsminister einschaltete.

Die Beerdigung der Haubs fand erst in dieser Woche statt, als 2 der größten deutschen Handelsketten die Kontrolle über Kaiser’s Tengelmann übernahmen.

Karl-Erivan Haub begann seine Karriere im Lebensmitteleinzelhandel, indem er im Lebensmitteleinzelhandel aufwuchs.

Karl-Erivan Haub begann seine Karriere im Lebensmitteleinzelhandel, indem er im Lebensmitteleinzelhandel aufgewachsen ist. Sein Vater Erivan, Chef der damaligen Firma Tengelmann, erwarb 1971 Kaiser’s durch eine feindliche Übernahme.

Haub Senior war zu diesem Zeitpunkt erst zwei Jahre im Amt, und obwohl der Umsatz bei rund 1 Milliarde D-Mark (heute über 550 Millionen Dollar) lag, war die Liquidität knapp, und der Kauf des größeren Konkurrenten hätte ihn fast ruiniert, doch er ging nicht auf Nummer sicher, sondern expandierte und gründete Discount Plus, wo die Kunden im nächsten Jahr „gut leben und sparen“ sollten.

Es folgte die erste Übernahme im Ausland, in Österreich. 1979 wagte der ältere Herr Haub den Sprung über den Atlantik und kaufte für 78,5 Millionen Dollar das Great Atlantic & & Pacific Tea Business (A&P), ein führendes Einzelhandelsunternehmen und die drittgrößte Supermarktkette in den Vereinigten Staaten, und vergrößerte nach und nach seinen Geschäftsanteil.

Es war nicht seine erste Reise in die USA. Als er in den 1950er Jahren mit seiner Frau Helga zweieinhalb Jahre dort lebte und arbeitete, sagte Haub dem Handelsblatt, er habe „in Amerika Dinge getan, die niemand hätte tun müssen“. Er war auf den Geschmack gekommen, zu führen, zu schaffen und Gefahren auf sich zu nehmen, und er setzte diese aufkeimende Fähigkeit bei seiner Rückkehr nach Europa ein, indem er größere Konkurrenten ins Auge fasste und sie aufkaufte.

Ein Jahrhundert nach der Eröffnung der ersten Tengelmann-Filiale durchbrach der Konzern die 50-Milliarden-D-Mark-Grenze beim Umsatz und machte Tengelmann zu einem der bedeutendsten Lebensmittelhändler der Welt.

1985 investierte Haub in großem Stil in Obi-Baumärkte, 1990 expandierte er in den Bereich Style, und 1994 eröffnete der Textildiscounter Kik seine ersten Filialen. Hundert Jahre nach der Eröffnung der ersten Tengelmann-Filiale durchbrach die Unternehmensgruppe die 50-Milliarden-D-Mark-Umsatzgrenze und machte Tengelmann zu einem der größten Lebensmittelhändler der Welt.

In den drei Jahren, in denen Erivan Haub an der Spitze von Tengelmann stand, kaufte er rund 20 Unternehmen auf – und erreichte eine Verfünfzigfachung des Gewinns der Gruppe. Als er in den 1980er Jahren erstmals in der Forbes-Liste der reichsten Deutschen auftauchte, empfand er das nicht als hämisch. „Es vermittelte den Menschen das Gefühl, dass Kaufleute übermäßig viel verdienen“, stellte er ein paar Jahre zuvor fest.

Es blieb in Erivan Haubs Zeit als Tengelmann-Manager, dass der Preiskampf begann und Teile des Lebensmitteleinzelhandels ausblutete. Er mochte es nicht, Einzelne zu entlassen. Auch dann nicht, als die Zeiten so hart wurden, dass manche in den neunziger Jahren das Ende der Tengelmann-Gruppe prophezeiten.

Tatsächlich hatte sich Herr Haub mit seinen vielen Dienstleistungsbetrieben zu sehr verzettelt und war gezwungen, eine Finanzspritze in Millionenhöhe aus seinem Privatvermögen zu geben. Im Jahr 1999 sprach er mit dem Supervisor Magazin über die angespannte Lage der Supermärkte und bezifferte die jährlichen Personalverluste auf rund 200 Millionen D-Mark. Damals wies Haub Spekulationen über seinen Rücktritt zurück. „Ich bin bei bester Gesundheit und fühle mich fit“, sagte er.

Der Beginn des neuen Jahrtausends brachte eine Veränderung mit sich, die nach Ansicht von Beobachtern gerade noch rechtzeitig kam. Erivan Haub entschied sich, die Leitung von Tengelmann weitestgehend an seine Kinder abzugeben und in den Beirat zu wechseln. Karl-Erivan, der älteste von drei Brüdern, übernahm das Europageschäft, Christian die Aktivitäten in den Vereinigten Staaten, und Georg wurde mit den Immobilien betraut. Karl-Erivam reorganisierte und verkaufte 2003 unrentable Geschäftsbereiche wie Wissoll, da er für die Schokoladenfabrik, die 1912 von Karl Schmitz-Scholl in zweiter Generation aufgebaut worden war, keine „nachhaltige Verbesserung der Geschäftslage“ sah.

Desinvestitionen und Entlassungen waren nicht das, was sein Vater im Sinn hatte. Als die Vorstellungen von Vater und Kindern aufeinanderprallten, moderierte Erivans Partnerin Helga. Ein Ergebnis war, dass die Haubs eine Haushaltssatzung ausarbeiteten, die unter anderem vorsah, dass zur Vermeidung von Vetternwirtschaft ein Mitglied der Familie eine Führungsposition einnehmen musste, vorbehaltlich der Genehmigung durch „unabhängige, außenstehende Dritte“.

Anfang 2013 – als Erivan Haub im Alter von 80 Jahren sein Amt im Beirat niederlegte – bestand das Aufsichtsgremium von Tengelmann zum ersten Mal ausschließlich aus Nicht-Familienmitgliedern.

Im Jahr 2009 trennte sich Karl-Erivan von Plus und verkaufte mehr als 2.300 Discountmärkte an die Hamburger Edeka, die den Großteil davon in die Tochtergesellschaft Netto einbrachte, an der Tengelmann eine Minderheitsbeteiligung behielt. Damals musste Haub 400 Märkte an Dritte veräußern, um die Genehmigung des Bundeskartellamts zu erhalten.

Außerdem entschied er sich für eine Einkaufskooperation der 700 bzw. zwei Kaiser’s-Tengelmann-Märkte mit Edeka, um von günstigeren Einkaufskonditionen zu profitieren. Das Kartellamt verweigerte seine Zustimmung.

Für Herrn Haub war das, wie er später erklärte, der Anfang vom Ende, und er gibt vor allem dem Kartellamt die Schuld. Im Jahr 2010 verkaufte er die Supermärkte am Rhein-Main-Neckar-Standort, etwa zur gleichen Zeit, als die US-Kette A&P Privatinsolvenz anmeldete. Doch Haub blickte auch nach vorne. Er begann sein Engagement im E-Commerce und kaufte Start-ups wie Zalando, und heute gehört Tengelmann Ventures zu den größten VCs in Deutschland.

2014 sah Haub keine Chance mehr für Kaiser’s Tengelmann angesichts der starken Konkurrenz von Edeka, Rewe, Aldi und Lidl. Das Kartellamt untersagte einen Verkauf an den Marktführer Edeka. Haub verließ sich auf Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der eine Ministererlaubnis erteilte, gegen die Konkurrenten wie Rewe gerichtlich vorgingen. Gut zwei Jahre lang herrschte juristischer Stillstand und ein erbitterter Machtkampf zwischen den Supermarktbossen.

Während die Saga der Lebensmittelkette auf ein Ende zusteuert, ist die Rettung von Arbeitsplätzen zwar begrüßenswert, aber es ist ungewiss, ob die Kunden angesichts der zunehmenden Konzentration in der Branche überhaupt noch feiern werden.

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